Pflege von Fahrradketten: wachsen oder ölen?
Pflege von Fahrradketten: wachsen oder ölen?

Pflege von Fahrradketten: wachsen oder ölen?

Neben dem traditionellen Kettenöl gewinnt Kettenwachs für die Pflege von Fahrradketten immer mehr Befürworter:innen. Worin die Unterschiede bestehen und für wen sich was besser eignet, zeigt der pressedienst-fahrrad.

Regelmäßige Antriebspflege sollte zum Radfahren genauso gehören wie das Aufpumpen der Reifen. Nur eine gut gepflegte Kette hilft, Verschleiß zu minimieren und sorgt dafür, dass die Antriebskomponenten länger halten. Ein nicht gepflegter Antrieb macht hingegen das Schalten unangenehm, man benötigt mehr Kraft und auch die Korrosion nimmt zu. Im schlimmsten Fall kommt es zum Kettenriss, der zu Stürzen führen kann. Wer sich nun auf die Suche nach einem geeigneten Schmierstoff begibt, steht einer Vielzahl an unterschiedlichen Produkten gegenüber. Aber eins sollte klar sein: unbedingt ein spezielles Produkt für die Anwendung am Fahrrad bzw. E-Bike nehmen. Universelle Schmiermittel und Kriechöle sind zu dünnflüssig und verflüchtigen sich auf einer Fahrradkette schnell. Sie können deshalb nicht die gewünschte Schutzwirkung entwickeln, die spezielle Fahrradprodukte erzielen.

Erst säubern, dann ölen
In der Regel bestehen Fahrradschmierstoffe aus Mineralöl, synthetischen oder pflanzlichen Ölen und manche sogar aus Paraffin. Je nach Hersteller können unterschiedliche Additive beigemischt sein, z. B. Keramik, die die Langlebigkeit und Haftung verbessern sollen. Viele Hersteller setzen mittlerweile auf biologisch abbaubare und nachhaltige Mischungen. Der Vorteil am Kettenöl: Es lässt sich einfach auftragen, am besten tröpfchenweise mit einer Dosierflasche. Das Öl muss nämlich nicht auf die Kette, sondern in die Kettenglieder und Rollen. Dort, wo die Rollen auf den Bolzen arbeiten, bildet es einen Film und sorgt für reibungsarme Laufeigenschaften. Vor dem Schmieren sollte der Antrieb allerdings erst einmal gründlich mit einem Tuch und am besten mit einem Kettenreiniger gesäubert werden.

Kettenöl auf Einsatzzweck abstimmen
Bei der Auswahl der Kettenöle gibt es im Grunde drei Hauptarten: universal, wet und dry. Universal-Fahrradkettenöle sind für viele gängige Anwendungen die beste Wahl. Gelegenheitsradfahrende, die oft nur in der Stadt oder bei Ausflügen auf Kurzstrecken unterwegs sind, müssen sich wenig um den Antrieb kümmern und haben bei allen Wetterbedingungen eine ausreichende Schmierung.Sogenanntes Wet-Lube ist für nasse Bedingungen konzipiert. Die Mittel sind zähflüssiger und bilden einen kräftigeren Schmierfilm, der besonders gegen Spritzwasser und Nässe schützt. Winterpendler:innen sollten beispielsweise ein derartiges Mittel auftragen. Der Nachteil: Die Mittel ziehen verstärkt Schmutz an, was einen regelmäßigen Reinigungsbedarf verursacht.Dry-Lube ist hingegen für trockene Bedingungen gemacht. Es ist dünnflüssiger und nimmt deshalb nach dem Einziehen kaum noch Schmutz auf, was insbesondere bei staubigen Strecken im Sommer wichtig ist. Regen spült die Mittel hingegen schneller ab. Die Folge: regelmäßiges Nachschmieren wird notwendig.

Wachs als neue Alternative
Seit ein paar Jahren hat sich als Alternative das Kettenwachs auf dem Markt etabliert. Wachse punkten durch einen trockenen Schmierfilm auf der Kette, der nicht fettet und nicht verschmutzt. So bleibt der Antrieb möglichst sauber und kann eine höhere Fahrleistung erreichen. Die Produkte wurden schon lange Zeit, meist im Profisport oder von Vielfahrer:innen, angewandt, finden jetzt aber auch immer mehr Interessierte in der Hobby-Anwendung. Das hat seinen Grund: Kettenwachs zieht weniger Schmutz an, wodurch der der Antrieb länger sauber bleibt und weniger verschleißt. Das Auftragen von Kettenwachs ist hingegen etwas komplizierter als von Kettenöl. Da Wachs am besten auf Stahl haftet, müssen zunächst sämtliche Schmiermittel von der Kette entfernt werden. Dafür demontiert man die Kette und legt sie in ein Reinigungsbad, ggf. sogar mehrmals. Das gilt auch für neue Ketten. Diese werden für bessere Haltbarkeit vorgefettet und müssen ebenfalls zunächst entfettet werden.

Mehr Aufwand, längerer Halt
Und auch bei den Wachsen gibt es Unterschiede: Kaltwachs (auch Flüssigwachs oder Drip-Wax genannt) wird wie Kettenöl aus kleinen Fläschchen aufgetragen. Anschließend fließt die Flüssigkeit in die Zwischenräume der Kette, wo sich der Wachsfilm ausbreitet und die Flüssigkeit verdampft. Das flüssige Wachs kann so auch regelmäßig nachgewachst werden, ohne den Antrieb komplett zu entfetten (Ausnahme: die erste Anwendung). Heißwachs hingegen besteht entweder aus Granulat oder einem großen Wachsblock. Das Wachs muss erhitzt und geschmolzen werden. Anschließend wird die Kette in das Wachsbad gelegt. Diese Art der Kettenpflege soll den längsten Schutz und die beste Schmierung ermöglichen. Nachteile sind der höhere Anschaffungspreis sowie der Zeitaufwand und die nötige Werkstatterfahrung. Weiter gilt zu beachten: Werden gewachste Ketten feucht, sollten sie nach der Fahrt getrocknet werden, da sich ansonsten schnell Flugrost bilden kann.

Auch Riemen brauchen Pflege
Übrigens: Auch bei Riemenantrieben, die als wartungsarm gelten, lohnt sich hin und wieder die Verwendung eines speziellen Pflegesprays. „Zwar ist das Reinigen mit Wasser meist ausreichend, aber auch der Riemen freut sich über eine Pflege. Ein spezielles Mittel sorgt für einen Schutzfilm auf der Oberfläche. Das hilft, den Antrieb geschmeidig zu halten und reduziert das Anhaften von Schmutz“, erklärt Patrick Graba, Marketingmanager bei Universal Transmissions, dem langjährigen Partner des Riemenspezialisten Gates. Aber Vorsicht: Man darf kein Kettenöl oder -wachs auf den Riemen bringen, sondern nur ein spezielles Produkt für Riemenantriebe.

Quelle: Pressdienst Fahrrad

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